Übersichtskarte

Dienstag, 20.08.2019

Die Überraschung ist geglückt

Unsere letzten zwei Tage der Reise verbrachten wir in Lima der Hauptstadt Perus. Genauer gesagt hielten wir uns im Stadtteil Miraflores auf. Dieser Teil wird auch "Gringolandia" genannt. Und das zurecht, hier wohnen nur Ausländer und reiche Peruaner,  die sich wie Ausländer verhalten. Kein Vergleich zu dem Rest Perus, der meist ärmlich und wenig entwickelt ist.
In den letzten Wochen wurde uns bewusst wie nahe der Rückflug ist und wie sehr wir Deutschland und das Leben dort vermissen. So stieg unsere Vorfreude ins Unermessliche, als wir ins Flugzeug in Richtung Bogota stiegen. Nach dem Zwischenstopp in Bogota ging es dann weitere 10 Flugstunden nach München. Wegen der ganzen Aufregung war an Schlaf nicht zu denken.
Als wir dann aus dem Flugzeug stiegen, kam uns heisse Sommerluft entgegen. Diese sommerlichen Temperaturen waren wir nicht mehr gewohnt nachdem wir wandern und zelten bei Minusgraden hinter uns hatten.

Mit dem Zug sind wir anschließend nach Köfering gefahren und wurden dort von Connis Mutter abgeholt um die  Familie in Alteglofsheim zu überraschen. Um 19.30 Uhr  standen wir wie geplant vor der Haustür meiner Eltern.
Nach dem klingeln machte Lilly die Tür auf und starrte uns wie versteinert an, als wären wir eine Fatamorgana. Der Familie hatten wir zuvor vorgegaukelt erst zwei Wochen später in Deutschland zu landen. Als sie uns erkannte fiel sie uns um den Hals. Der Rest der Familie folgte ebenfalls stürmisch aber auch fassungslos. Annika traf wenige Minuten später ein, weil sie an ihrem Geburtstag noch essen war. Als sie uns sah verdrückte sie einige Freudentränen. Die Überraschung ist wirklich gelungen.

In den darauf folgenden Tagen mussten wir uns langsam wieder eingewöhnen und verbrachten viel Zeit mit Familie und Freunden. Beispielsweise gingen wir oft mit dem Hund Ronja spazieren, kochten mit Freunden oder grillten mit Tante und Onkel, die zu Besuch waren. Wir durften zwei Tage nach unserer Ankunft sogar mit Lilly ihren 8. Kindergeburtstag feiern. Das war ein wirklich schöner Tag.
Bevor wir uns wieder auf den Weg ins Münsterland machen, gingen wir noch mit der ganzen Familie im Nationalpark Bayrischen Wald an der Grenze zu Tschechien wandern. Wir bestiegen den Berg Lusen und genossen die wunderschöne Aussicht.
Kindergeburtstag im WaldFoto am Gipfelkreuz auf dem Lusen
Die Tage bei meiner Familie waren wahnsinnig schön. Den Sprung aus Südamerika nach Europa merken wir noch heute und versuchen nicht gleich alle alten Verhaltensweisen wieder anzunehmen. Dafür haben wir einfach zu viele einfache Dinge erlernt, die wir bislang in der ersten Welt nicht sehen. Im Großen und Ganzen können wir froh sein in Deutschland zu leben und sollten das Glück nicht durch unseren ungebremsten Konsum ersticken.

Nach zwei Wochen Regensburg machen wir uns jetzt mit den Fahrrädern auf ins Münsterland. Mit Zelt ausgestattet geht's 12 Tage lang auf große Deutschlandreise. Seit Montag sind wir schon unterwegs. Wir werden auf dem Weg einen kurzen Stopp in Speyer machen und fahren dann den Rhein entlang bis nach Düsseldorf um anschließend bis nach Merfeld zu kommen. Die Fahrt wird ca. 800 km lang sein. Wir sind gespannt, wie es uns ergeht.
Somit folgt unser letzter Blogeintrag der Reise in zwei Wochen, in dem wir unsere Erlebnisse schildern werden.

Sonntag, 04.08.2019

Bäume schaffen Hoffnung gegen Korruption und Armut

Für unser nächstes Projekt hat es uns in die westlichen Anden in ein kleines Bergdorf geführt. Wir hörten zuvor von einem engagierten Rentner Pärchen, die dem verlassenen Ort in vielen Bereichen eine bessere Umwelt verschaffen wollen. Das Dorf Cordova liegt mehrere Stunden entfernt von anderen Dörfern auf 3100 Metern Höhe in trockener Berglandschaft. Uns interessierten die Visionen und Pläne der beiden, um das Leben vor Ort zu verbessern. Dafür machten wir uns vor zwei Wochen auf den Weg nach Ica, der größten Stadt in der Gegend. Dort trafen wir auf Paul, der uns mit seinem kleinen Transporter am Busbahnhof abholte. Zufällig war er in der Stadt und konnte uns von der tief gelegenen Wüstenstadt mit in die Berge nehmen. Mehr als sechs Stunden dauerte die Fahrt auf holprig, steinigen Wegen nach Cordova. Zuerst durchquerten wir eine Sandwüste, dann eine Steinwüste und im Anschluss schlängelte wir uns entlang der Berge auf schmalen Pfaden hoch auf über 3000 Meter. Stunden nach den letzten bewohnten Häusern erreichten wir das Bergdorf Cordova. Paul erzählte uns in den Stunden alles darüber wie er vor Jahren England verließ und mittlerweile mit Ruth aus Peru verheiratet ist.
Ihre Oma wuchs in Cordova auf. Nachdem Ruth über viele Jahre internationale Einsätze für die UN leistete, kehrten die beiden zurück zu den Wurzeln der Großeltern. Schnell bemerkten die beiden, dass der Ort vernachlässigt wurde. Die Regierung kümmert sich nicht um die circa 200 Einwohner, die dort oben in den Bergen alleine mit etwas Landwirtschaft klar kommen müssen. Ruth hatte in den letzten Jahren als Expertin für Menschenrechte in vielen Krisengebieten weltweit gearbeitet und beispielsweise als eine von wenigen ihrer Kollegen das Erdbeben auf Haiti überlebt. Sie konnte uns wirklich viele beeindruckende Geschichten erzählen. Mit ihrer Erfahrung versucht sie nun der Gemeinde Cordova etwas zurück zu geben und sich insbesondere politisch zu engagieren. Leider ist die Korruption eines der größten Probleme Perus. Ruth stellte sich vor einem Jahr zur Wahl als Bürgermeisterin und bekam 2/3 der Stimmen. Bürgermeisterin wurde jedoch eine andere Frau, weil diese Leute aus Ica dafür bezahlte ihre Adresse nur für den Wahltag zu ändern um für sie zu wählen. Unglaublich. Und nur ein Beispiel von vielen verrückten Dingen die dort vor sich gehen. In der Gemeinde von Cordova gibt es Minen in denen u.a. Kupfer, Silber und Gold abgebaut werden. Internationale Konzerne Arbeiten arbeiten dort ohne Genehmigung und verschwenden das gesamte Wasser das die Bewohner für Pflanzen, Tiere und sich selber benötigen. Das Geschäft bringt Anreize sich zu bereichern. Auch ohne politische Position haben wir Ruth über unseren gesamten Aufenthalt gegen die falschen Machenschaften ankämpfen gesehen. Informationen, Petitionen, Berichte und Klagen sind Mittel zum Zweck. Das Dorf ist spürbar froh jemanden mit hohen Kontakten und derartigem Wissen und Motivation vor Ort zu haben.
Pauls Projekte und Visionen beziehen sich demgegenüber hauptsächlich auf die Natur der Gegend. Von ihm erfuhren wir Interessantes über Permakultur, Komunen, Earthships und den Buddhismus.In den nächsten Jahren wollen die beiden eine sportliche Anzahl von einer Millionen Bäume pflanzen. Zudem geht es viel um Wasserreservate und den Anbau von organischem Getreide, Obst und Gemüse. In den Bergen um Cordova regnet es für acht Monate im Jahr keinen einzigen Tropfen. Wir bekamen in den zwei Wochen fast keine einzige Wolke zu Gesicht.

Das Projekt von Paul und RuthVor dem Haus der beiden mit Paul und dem Mitarbeiter Cesar

Um für mehrere Tage bei den ganzen Projekten mitzuhelfen, wohnten wir im Dorf bei den beiden und verbrachten eine super schöne Zeit in den Bergen. Das Leben begegnete uns dort sehr einfach und bäuerlich. Wir wohnten in dem einzigen Haus mit warmen Wasser und Internet Anschluss. Viele Leute in Cordova leben mit ihren Tieren in einem Haus. Die Lehmhäuser haben nur einfache Sandböden und zum kochen wird ein offenes Feuer genutzt. Nachts weckten uns oft die klappernden Blechdächer oder die unzähligen Hunde auf den Straßen. Einfach anders als wir es gewohnt sind.
Für die Kinder im Dorf organisieren die beiden regelmäßig Unterrichtsstunden außerhalb der Schule und fördern die Ausbildung der nächsten Generation. Paul und Ruth sehen es als sehr wichtig an, den Kindern Werte zu vermitteln, die sie aus den Familien nicht lernen um eine ökologische und sozialere Zukunft aufzubauen. Die letzte Zukunftsvision skizzierte Pläne für zukünftigen Tourismus im Dorf. Die Gegend ist wirklich wunderschön und so wollen die beiden in ein paar Jahren ein Hotel eröffnen und die Bewohner als Mitarbeiter ausbilden. Bis dahin steht jedoch noch viel Arbeit an.

In den letzten zwei Wochen haben wir also viele Geschichten erfahren und spannende Dinge gesehen. Helfen konnten wir bei dem Aufforstungsprojekt mit dem Pflanzen von heimischen Bäumen und ständigem Bewässern. An mehreren Tagen haben wir Physalis und Bohnen geerntet. Ein Wasserreservate konnte fertig gestellt und mit Wasser zum Bewässern der Bäume gefüllt werden. Wir hatten viel Spaß dabei in jeder Woche Englisch Unterricht für die Kinder zu geben. Dafür sind jeweils ein paar Kinder zu uns ins Haus gekommen.
Rundum haben wir dort geholfen, wo unsere Hilfe benötigt wurde. Dafür wurden wir aber auch köstlich Verpflegung und mit unzähligen Geschichten belustigt.

Das Lieblingsprojekt von Paul ist der Bau sein eigenen Earthships. In den 70er Jahren wurde von einem amerikanischen Architekten ein Konzept entwickelt aus Müll und natürlichen Materialien ein Wohnhaus zu bauen. Dieses Konzept hat sich über die ganze Welt verbreitet und wird auch in Peru umgesetzt. Der Grundstein dieses interessanten Gebäudes wurde bereits in Cordova gelegt. Seine Pläne dafür haben mich wirklich begeistert.

In unserer freien Zeit haben wir hauptsächlich die Gegend um Cordova erkundet aber auch viel Zeit in der Küche verbracht. Nach der Arbeit sind wir so mit Pauls Motorrad auf den steinigen Pisten durch die Berge gefahren oder waren Wandern. Ruth hat uns einiges aus der peruanischen Küche gezeigt. Wir haben Stunden damit verbracht tolle Mahlzeiten vorzubereiten oder die eigenen Produkte weiter zu verarbeiten. Das war schon eine sehr entspannte Zeit mit viel Zeit zum experimentieren. Der letzte Abend war dann wieder etwas Besonderes. Paul hat uns den traditionellen Pisco Schnaps gezeigt, der in dem Bergdorf noch den Bewohnern selbst zusammengemischt wird. Das war wirklich ein Teufelszeug.

Der große Unterschied von einer Reise zu einem Urlaub sind für mich diese Projekte in denen man den Einheimischen und deren Kultur näher kommt. Trotz der vielen Busfahrten und Unternehmungen während der letzten Monate kann man in Südamerika sehr preiswert über die Runden kommen. Wir hatten weniger Ausgaben, als wir in der gleichen Zeit in Deutschland gehabt hätten.

Samstag, 27.07.2019

Auf den Spuren der Inkas

Wieder einmal beginnt der nächste Reiseabschnitt mit einer langen Busfahrt. Von Huaraz ging es für uns über Nacht mit dem Bus nach Lima. Wir hatten dort einen Aufenthalt für wenige Stunden bevor unser Anschlussbus nach Cusco abfuhr. In den Stunden liefen wir zu Fuß durch das Regierungs- und Chinaviertel. Die Metropole war selbst morgens voll und laut. In den Nebenstraßen dreckig, ist die Weltstadt ein Sinnbild peruanischer Stadte. Auch hier Straßenstände, Streetfood und Markt so weit das Auge reicht. Das war schön zu sehen und trotzdem ein enormer Sprung für uns, einen Tag nach der Idylle des Huayhuash Gebirges. Der Anschlussbus nach Cusco wurde planmäßig mit 22 Stunden ohne einen Halt ausgeschrieben. Es dauerte uns also zwei Tage um vom Gebirge über Lima nach Cusco zu fahren.
In Cusco angekommen waren wir überrascht, eine sehr schöne und aufgepasste Stadt anzutreffen. Scheinbar bringen dort die Massen an Touristen genug Geld um die Stadt wirklich liebevoll aufzupassen. Cusco ist die älteste dauerhaft besiedelte Stadt Südamerikas und war die Hauptstadt der Inkas. In der Gegend entwickelten sich die Inkas über Jahrhunderte bevor diese expandierten und zum Ende ihrer Geschichte einen Großteil des Kontinents besetzten. Nach der Ankunft der Spanier wurde die Stadt geplündert und alle Schätze in die neue Hauptstadt Lima gebracht. Für die Seefahrer machte eine Stadt am Meer mehr Sinn. Die Inkas und auch andere indigene Völker errichteten ihrer Städte auf den Gipfeln der Berge und den Hochplateaus der Anden. Das bekannteste Beispiel dafür ist Machu Picchu. Cusco ist heute der Ausgangsort für einen Besuch der Inka Ruinen und somit stark überlaufen. Auf unserer gesamten Reise haben wir nirgendwo so viele Touristen gesehen wie in Cusco. Auf einem Markt sind uns sogar Michelle und Severin aus der Schweiz über den Weg gelaufen, die wir Monate zuvor in Panama kennen gelernt hatten. An solchen Orten kommt scheinbar kein Reisender vorbei. Wir hatten uns sehr spontan dazu entschlossen Machu Picchu zu besuchen. Eigentlich wollten wir die Massen an Touristen meiden und das Eintrittsgeld sparen. Nunja, wir sind wegen überzeugenden Erzählungen anderer Reisenden doch dort hin und wurden definitiv nicht enttäuscht. Auf eigene Faust haben wir uns am nächsten Tag früh morgens mit einem Bus in Richtung Inka Ruinen aufgemacht. Selbst von Cusco dauerte dies sechs Stunden und führte uns lange entlang steiler Klippen. Die Region ist für Erdrutsche bekannt, den Tourismus hemmt das aber nicht. Nach der Busfahrt folgte eine vier sündige Wanderung entlang von Bahngleisen um an den Fuß des Machu Picchu Berges zu gelangen. Eine sehr unwegsamen Gegend haben sich die Inka damals ausgesucht. Von Cusco führt dort hin eine Bahnlinie, die mit deutlich überhöhten Preisen Tagestouristen zur Ruine fährt. Mit bis zu 4500 Besuchern täglich, ist der Ort der wichtigste für den peruanischen Tourismus. In einem kleinen Dorf im Tal vor der Attraktion haben wir uns ein Hostel genommen um den darauf folgenden Tag komplett an den Ruinen zu verbringen. Machu Picchu ist eine Stadt der Inkas die in einer atemberaubenden Gegend auf einem Bergücken erbaut wurde. Noch heute ist die Stadt erstaunlich gut erhalten und gehört zu den sieben Weltwundern der Antike. Rund um die alte Stadt haben die Inka ein Wegenetz in den Bergen erbaut welches auch heute viele Ruinen mit einander verbindet, ohne die Höhe zu verlassen. Die Inka fühlten sich scheinbar in den Bergen wohl und haben die Täler gemieden.

Von Cusco ging es für uns noch weiter in den Süden bis zum Titticaca See. In der Stadt Puno verbrachten wir eine Nacht am See. Die Ausmaße des Titticaca Sees lassen sich vom Ufer nicht begreifen. Es kam uns dort vor wie am Meer zu stehen. Der See ist die Grenze zwischen Peru und Bolivien. Bekannt ist Titticaca als größter Hochgebirgssee der Welt. Die Oberfläche des Sees liegt auf einer unglaublichen Höhe von 3810 Metern. Bei einer Bootsfahrt sind wir zur Insel Taquile gefahren und haben ein paar Stunden bei einer Wanderung dort verbracht. Die Bewohner der Insel lebten dort lange isoliert und haben ihr eigenes Aussehen und eigene Kunst entwickelt. Wir hatten einen richtig schönen Nachmittag auf der Insel die von der Landschaft mit vielen Steinen, Eukalyptus Bäumen und klarem Wasser auch in Kroatien sein könnte. Der Blick von Taquile rüber nach Bolivien, wo wir einige mit Schnee bedeckten Berge und Gletscher sehen konnten, erinnerte uns dann an die Lange in den Anden.


Eine sehr beeindruckend Geschichte lässt sich über die Uros Inseln auf dem Titticaca See erzählen. Als die Inkas vor circa 600 Jahren ihr Reich vergrößerten flüchtete ein indigenes Volk vor der Eroberung bis ans Ufer des Sees. Den einzigen Ausweg, nicht unterworfen zu werden sagen diese in der weiteren Flucht auf den See. Sie schnitten Schilf am Ufer und bauten sich so in der Not eigene Inseln aus übereinander gestapeltem Schilf. Bis heute lebt das Volk auf den schwimmenden Schilfinseln, scheinbar unversehrt und unerreicht von den Inkas. Über 100 schwimmende Inseln aus Schilf ziehen heute natürlich Touristen zum Titticaca See. Während unserer Bootsfahrt haben wir auch an den Uros Inseln Halt gemacht. Auf so einer Insel zu laufen fühlte sich an wie auf weichem Waldboden. Richtig beeindruckend und eine schlaue Idee.

Bevor wir die Reise vorsetzen stürzten wir uns noch mehrmals auf den Markt in Puno. Im Herkunftsland der Kartoffel probierten wir in diesen Tagen viele Sorten aus. Einige Verkäufer boten sogar getrocknete weiße Kartoffeln an. Auf den Märkten findet man einfach alles und trotzdem in jeder Stadt völlig Anderes.
Für uns ging es von Puno nach Arequipa. Die Stadt wurde uns zuvor von einigen Peruanern angepriesen. Nach unserem Aufenthalt dort legten wir uns fest, dass in unseren Augen Arequipa die schönste Stadt Perus ist. Eine wunderschöne Altstadt überzeugt mit der Architektur auf den ersten Blick und eine entspannte Atmosphäre verbreitet dort gute Laune. Arequipa liegt zwischen drei riesigen Vulkanen die zwischen 5000 und 6000 Metern hoch sind. In der Stadt kommt es einem vor als würden die Giganten direkt am Stadtrand in die Höhe ragen. Die Gebäude in Innenstadt wurden überwiegend aus weißem Vulkanstein erbaut und sind somit einzigartig. Leider bricht alle hundert Jahre, seit der Ankunft der Spanier, einer der Vulkane aus. Arequipa ist somit schön aber gefährlich.
Straßenzug in Arequipa mit einem Vulkan am Horizont

Die Stadt Arequipa lag für uns auf dem Weg um von dort weiter zum Colca Canyon zu fahren. Die tiefe Schlucht stand schon seit Wochen auf unserem Reiseplan. Wir freuten uns darauf wieder einmal über mehrere Tage wandern zu gehen. Mit einer lokalen Busverbindung fuhren wir nach Cabanaconde, einem Dorf direkt an der Schlucht. Der Colca Fluss hat bis heute so viel Gestein weggespült, dass mit dem Colca Canyon die zweittiefste Schlucht der Erde entstand. An der tiefsten Stelle der Schlucht geht es fast 4 km senkrecht herunter. In Cabanaconde angekommen ließ sich schon von weitem ein riesiger Riss in der Landschaft erkennen. Von dort aus beginnen die meisten Wanderer Touren durch die Schlucht. Nach unserer Ankunft vielen uns jedoch zunächst die traditionell gekleideten Bewohner des Dorfes auf. Bunte Kleider und schöne Hüte so weit das Auge reichte. Wir folgten unserem Gehör zur Blasmusik außerhalb des Dorfes. Zufällig besuchten wir Cabanaconde zum Fest der Virgen del Carmen, an dem Stierkämpfe in der Arena abgehalten werden. Die Peruaner feierten in diesen Tagen die Heilige, die die Menschen vor den Spaniern gerettet haben soll. Bei ausgelassener Stimmung wurde viel Bier getrunken und wir mischten uns unter die Einheimischen. Eine große Flasche Bier wurde dabei immer geteilt und herum gegeben. Mehrere Blaskappelen und Essensstände machten den Feiertag zu einem Volksfest. Die Stierkämpfe wurden dabei eher lustig aufgezogen, bei denen nicht Tiere gegeneinander sondern gegen verkleidete Menschen antraten. Es ging bei einer kleinen Show darum dem Stier zu entkommen und dabei lustig auszusehen. Im Anschluss wurde die ganze Nacht auf dem Marktplatz getanzt.

Stierkampf in Cabanaconde
Wir machten uns am nächsten Tag mit Wanderschuhen auf zum Colca Canyon. An einem Tag wollten wir die Schlucht herunter zum Fluss wandern und am nächsten Tag wieder aufsteigen zum Startpunkt auf 3300 Metern. Der Wanderweg ging dabei wirklich steil Bergab und brachte uns bei der starken Sonne ziemlich ins Schwitzen. Auf dem Weg und bei der Übernachtung in einem kleinen Dorf in der Schlucht begegneten wir nur fröhliche Menschen. Die Peruaner in dieser Region waren so sympathisch und gut gelaunt wie selten zuvor auf unserer Reise. Dies machte uns Spaß und bei zugleich tollen Ausblicken zu einer super Wanderung.
Der Aufstieg am zweiten Tag raubte uns alle Kräfte. Nach einem ganzen Tag steil Bergauf waren wir heilfroh zurück in Cabanaconde ins Bett zu fallen. Lustigerweise feierten die Einheimischen auch zwei Tage nach dem ursprünglichen Feiertag noch immer lautstark die Befreiung durch Carmen. Die Blaskappelen spielten scheinbar vier Tage ohne Pause. Der gesamte Gegend wird uns so fröhlich in Erinnerung bleiben.
Für uns ging es am nächsten Tag mit dem Bus zurück nach Arequipa und von dort entlang der Küste in Richtung Norden nach Ica.

Mittwoch, 17.07.2019

Huayhuash Expedition

Die wohl schönste Woche unserer Reise verbrachten wir in der Huayhuash Gebirgskette im Herzen Perus. Uns hat es zunächst von der Küste nach Huaraz verschlagen. Die Stadt liegt auf 3500 Metern in den Anden. Umzingelt von schneebedeckten Bergspitze ist der Ort ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen jeder Art. Nach zwei Übernachtungen in der Stadt machten wir uns früh morgens auf den Weg von Huaraz zur 120 km entfernten Huayhuash Gebirgskette. Vor uns lag eine acht Tage lange Wanderung in einer Höhe zwischen 4000 und 5200 Metern. Den Trip wollten wir jedoch nicht alleine unternehmen und uns fehlte es auch an der passenden Ausrüstung. Wir entschieden uns dafür die gesamten Tage mit Begleitung zu wandern. In einer kleinen Gruppe von insgesamt acht Personen ging es morgens los. Die Gruppe bestand aus sechs Reisenden (zwei Engländer, einem Deutschen, einem US-Amerikaner und uns zwei) einem Wanderguide und einem Guide für die Tiere (sechs Esel und zwei Pferde). Die Tiere waren jeden Tag an unserer Seite und trugen die gesamte Ausrüstung für acht Personen. Die Ausrüstung bestand unter anderem aus Zelten, Küchenbedarf, Lebensmittel für den gesamten Zeitraum und Dingen die zum Zelten bzw. Wandern benötigt werden.
Kurz vor der Wanderung haben wir uns noch Winterjacken und Handschuhe geliehen, ohne die wir die Kälte wohl nicht so gut überstanden hätten. Schon am ersten Tag, an dem wir nach einer mehrstündigen Fahrt auf einer Höhe von 4200 Metern aus dem Minibus ausstiegen, bemerkten wir das unsere Regenjacken nicht ausreichend waren. Uns sechs Reisenden wurde in dem selben Moment erst klar auf was wir uns eingelassen hatten. Es war in der Höhe nämlich windig und um den Gefrierpunkt extrem kalt. Trotz Sommer/Trockenzeit in Peru hatten wir jeden Tag Frost und auch wenn die Sonne durchgehend schien waren es keine gewohnten Sommertemperaturen.
Nach der Busfahrt am ersten Tag griffen wir somit alle nach einem weiteren Pullover, Winterjacken und Mützen. Die Esel und Pferde warteten in malerischer Landschaft auf uns und wurden nach der Ankunft in den Bergen mit der Ausrüstung für den Tagesmarsch bepackt. Wir freuten uns darauf in Bewegung zu kommen und endlich bei der Kälte los zu wandern. Gemeinsam mit den Guides und den Tieren überquerten wir an Tag eins den Cacanampunta Pass (4800 Meter). Vom Pass ging es kontinuierlich Berg ab und wir erreichten nach 5 Stunden Wanderung das Janca Camp auf 4200 Höhenmetern. Was ein Camp in der Region ausmacht ist lediglich eine ebene Fläche für die Zelte, eine Grasfläche für die Tiere und immer eine wahnsinnig spektakuläre Aussicht auf hohe Berg mit Gletschern. Am Ende einer Wanderung begegnet man in der Bergkette mehrere Wandergruppen die ebenfalls auf der selben Ebene Zelten. Tagsüber waren die Landschaften meist menschenleer. Das Gebiet der Bergkette ist einfach zu groß und es gibt unzählige Routenoptionen für eine solche Wanderung.
In den folgenden sieben Tagen erwartete uns jeweils ein ähnliches Programm. Aufstehen vor Sonnenaufgang, Tageswanderung über einen Pass mit unglaublich vielen Eindrücken und stündlich wandelnder Kulisse, erreichen des Camps, aufbauen der Zelte, Abendessen und schließlich wärmen im Zelt.
Bei diesen wirklich unglaublich vielen Sichtweisen auf sich ständig wandelnde Landschaften entstanden sehr viele Fotos. Diese auf eine Auswahl für dieses Format zu beschränken fiel uns nicht leicht. Wir entschlossen uns dafür euch Bilder von jedem Tag hier im Blog zu zeigen. Die folgenden entstanden am ersten Tag.

Wir konnten am ersten Abend, mit Blick auf zahlreiche Gletscher, nur erahnen wie tief die Temperaturen in der Nacht fallen würden. Dass es Nachts frieren würde war uns bewusst und somit bereiteten wir uns mit zwei Schlafsäcken für Basti und drei Schlafsäcken für Sophie vor. Dick eingepackt konnten wir uns in der Nacht fast nicht mehr bewegen. Das war es aber wert. Am Morgen des zweiten Tages wurden wir um 5 Uhr von unserem Guide Arnulfo mit einem Coca Tee geweckt. Die Blätter der Coca Pflanze helfen gegen die Höhenkrankheit und sollen Kopfschmerzen vorbeugen. Die erste Nacht über 4000 Höhenmetern zu schlafen bereitete mir dennoch Kopfschmerzen. Nach dem Tee konnten wir aber gut starten. Die Temperatur in der ersten Nacht war im zweistelligen Minusbereich. Es viel uns schon schwer früh morgens im dunkeln die Kompfortzone das Zeltes zu verlassen. Tatsächlich waren unsere Trinkflaschen im Zelt gefroren und auch unsere Zahnbürsten waren vereist. Der Sonnenaufgang um 6 Uhr brachte die Wärme und Motivation für den Tag. An Tag zwei nahmen wir die so genannte Alpine Route und kamen nach 6 Stunden am Camp Carhuacocha an. Die Steigungen an dem Tag waren enorm. Sophie hatte an diesem Tag mit ihrer Höhenangst zu kämpfen. Heile am Zeltplatz angekommen sind die Strapazen immer schnell vergessen und haben sich jeden Tag aufs neue gelohnt. Wir übernachteten direkt an einem Gletschersee mit erneut atemberaubendem Blick auf die Berge. Im Eiswasser haben wir uns wie nach jeder Wanderung gewaschen. Gewöhnungsbedürftig aber lohnenswert. Auch unsere Trinkflaschen haben wir über die gesamten Tage an den klaren Seen und Bächen aufgefüllt.

Unser Wanderguide Arnulfo wuchs mit seinen Geschwistern in der Huayhuash Gebirgskette auf und kannte die Routen wie wir unsere Autobahnen. Sportlich machte er uns jeden Tag etwas vor. Jeden Tag überquerten wir gemeinsam einen Pass zwischen 4700 und 5200 Metern Höhe. Die Camps waren auf 3900 bis 4400 Metern. In der Höhe hatten wir über die gesamten acht Tage durchschnittlich weniger als die Hälfte an Sauerstoff in der Luft als wir es aus Deutschland gewohnt sind. Kleine Anstiege empfanden wir als anstrengend und kamen alle schnell aus der Puste. Arnulfo jedoch nicht, er verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in dieser Höhe und war daran gewöhnt. Er erzählte uns, dass er zur Schulzeit jeden morgen zwei Stunden über einen Pass zur Schule lief und diese Strecke nach Schulschluss auch wieder zurück wanderte. Wir würden mindestens die doppelte Zeit benötigen um die Strecke zu laufen.
Am dritten Tag der Tour machen wir uns wieder früh morgens auf den Weg. Den Siula Pass mit einer Höhe von 4800 Metern überquerten wir gegen Mittag. Kurz vor dem Pass hatten wir einen der schönsten Ausblicke auf drei Seen. Nach sechs Stunden Wanderung erreichten wir an dem Tag das Huayhuash Camp auf 4300 Metern. Das Mittagessen gab es wie oft auf halber Strecke mit einer kleinen Pause.

Auch Tag vier begann mit einem heißen Coca Tee im eisigen Zelt. Tagsüber schien dann wie jeden Tag die Sonne und es wurde ein perfekter Tag. Der zu überquerende Trapecio Pass war mit 5200 Metern der höchste unserer Wanderung. Auf dem Weg dorthin versuchte sich Sophie eine Weile im reiten. Das zweite Pferd was uns begleitete war über die gesamten Tage als Notfallpferd dabei. Wer sich nicht gut fühlte konnte auf den Rücken eine Pause vom Wandern einlegen. Die Höhe war für uns alle deutlich zu spüren. Auch wenn wir mehrmals täglich zu den Coca Blättern griffen und diese fleißig kauten, hatten einige von uns Kopfschmerzen und waren etwas schlapp. Wir machten auch die Beobachtung das unsere Finger über 5000 Metern stark angeschwollen waren. Das war aber eher lustig als störend. Alle wurden in den acht Tagen zwischendurch krank oder hatten Beschwerden. Auch Tobi erwischte es an den letzten zwei Tagen, der auf den Fotos der ersten Tage noch mit kurzer Hose zu sehen ist. In der zweiten Hälfte des vierten Tages wanderten wir wieder runter zum Camp Elephante auf 4400 Metern.

Die Huayhuash Wanderung gehört zu den schönsten mehrtägigen Wanderungen der Welt. Tobias der mit uns lief wanderte schon die besten Routen in Nepal und legte sich schnell fest, dass die Anden um Huayhuash sehenswerter seien. Das hat uns gewundert und erfreut zugleich.
Am fünften Tag waren wir alle noch immer top motiviert und so machten wir uns erneut bergauf zu einem hohen Pass. San Antonio überquerten wir mit einer Höhe von 5100 Metern. Wieder einmal wurden alle mit einer super Aussicht belohnt. Wir konnten uns an den Bergen einfach nicht satt sehen. An dem Tag ging es länger als üblich stundenlang bergab. Nach acht Stunden und 22 Kilometern erreichten wir ein kleines Bergdorf. Nach fünf Tagen sahen wir mit dem Dorf die erste Zivilisation. Die gesamte Gruppe entschloss sich spontan in dieser Nacht aufs Zelten zu verzichten und ein einfaches Hostelzimmer zu nehmen.

Die Stimmung in der Gruppe war wirklich super. Wir haben uns während der acht Tage untereinander bestens verstanden und viel zusammen gelacht. Die stundenlangen Wanderungen boten sich ideal für interessante Gespräche an. Zudem haben wir über acht Tage alles gemeinsam gemacht. In einer Zeit von mehr als einer Woche ohne Handyempfang und Elektrizität besinnt man sich auf die einfachen und wichtigen Dinge. Auch warmes Wasser und richtige Toiletten waren Luxus, den wir nicht genießen konnten. In der frostigen Nacht aufs Klo gehen war fast nicht möglich. Wir haben es natürlich gut überlebt.
Der sechste Tag führte uns über den Tapush Pass (4770 m) zum Camp Gashcapampa  (4400m).

Am siebten Tag ließen unsere Kräfte etwas nach und wir brauchten länger als die Tage zuvor um den Yaucha Pass mit 4800 Metern über dem Meeresspiegel zu überqueren. Das Ziel des Tages, das Jahuacocha Camp am Gletschersee war eines unserer Lieblingsorte in diesen Tagen. Das Camp lag auf einer Höhe von 4050 Metern.

Nach 125 gelaufenen Kilometern wanderten wir am achten und letzten Tag zum Dorf Llamac. Heil froh das Ziel gesund erreicht zu haben war die Tour zuende und wir setzten uns mit müden Beinen in den Minibus, der uns sechs zurück zum Ausgangsort Huaraz fuhr. Eine Hammer Tour mit einer super Wandergruppe ging zuende. Die Huayhuash Wanderung war bis jetzt die längste und schönste unseres Lebens.

Freitag, 12.07.2019

Nord Peru, vollkommen unterschätzt

Auf nach Peru! Mit einem Nachtbus sind wir von Ecuador über die Grenze nach Peru gefahren. Bei der nächtlichen Passkontrolle haben wir an einem gesonderten Grenzposten die langen Warteschlangen venezolanischer Flüchtlinge umgangen. Die Weiterfahrt führte uns entlang des Pazifik in Peru zur Stadt Chiclayo. Für uns sehr überraschend ist der gesamte Küstenstreifen bis in den Süden nach Chile eine einzige Wüste die nur selten von landwirtschaftlich genutzten Flächen unterbrochen wird. Der trockene Streifen zwischen den gewaltigen Gebirgsketten der Anden und dem Ozean in Peru ist das Gegenteil zum fruchtbaren Küstenstreifen in Ecuador. Landschaftlich etwas überrascht und enttäuscht von der Trockenheit hat die lange Küste Perus lediglich mehrere Großstädte als Zwischenstopps auf der Reise in den Süden zu bieten. Die Wüstenstädte sind stark besiedelt, günstig aber voller Müll und Lärm keine favorisierten Touristenorte. In Chiclayo wimmelte es von Straßenhunden. Der Müll wird von den Leuten dort einfach auf die Straße geworfen. Wir sahen Radlader in den Straßen den Unrat zusammen schieben um ihn später auf freien Flächen zu verbrennen. Nach Monaten auf Reise schaut man in solchen Straßen einfach nicht mehr so empfindlich hin.
So gut wie alle Dörfer und Städte in Peru sind im Aufbau von den Spaniern geprägt. Ein schöner Hauptplatz in der Mitte, prunkvolle Kirchen und koloniale Straßenzügen sind in jeder Innenstadt zu finden. Dieser Bereich ist wie auch in Chiclayo gut gepflegt und touristisch.
Einen Nachmittag verbrachten wir in der Nähe der Stadt am Strand. An Land stellen die einheimischen Fischer ihre traditionellen ein-Mann-Boote zum trocknen ab. Die spitzen Schilfgeflechte sind handwerkliche Meisterwerke und scheinen den Wellen gewachsen zu sein. An einem weiteren Tagesausflug besichtigten wir an einem Ausgrabungsort in der Nähe die Pyramiden von Tucume. Viele indigene Völker siedelten sich vor mehreren hundert Jahren an der Küste an und hinterlassen uns teilweise große Bauwerke.

Im Norden Perus ging es für uns als nächstes aus der Wüste hoch in die Anden. Die Busfahrt zur Stadt Chachapoyas dauerte uns 10 Stunden. Solche Zeiten muss man in Peru wegen der Gebirge immer einplanen, auch wenn die Strecken meist nur wenige hundert Kilometer lang sind. Chachapoyas ist eine schöne Kolonialstadt in traumhaft grüner Berglandschaft. Auf dem Rücken der Gebirgskette kommen dort die Waren aus dem Amazonasgebiet und der Küste zusammen. Durch den Handel und den Tourismus wurde es zu einer wohlhabenden und schönen Stadt. In dieser Stadt wie auch überall in Peru fahren sehr viele VW Käfer herum. Das Auto ist hier nicht der gepflegte Oldtimer sondern Alltagswagen. In Chachapoyas sahen wir den alten deutschen Flitzer in nahezu jeder Straße.

Bei einer langen Tageswanderung machten wir uns auf zu einem der höchsten Wasserfälle der Welt. Wir liefen den ganzen Tag mit Orel aus Israel, der uns stundenlang das Verhältnis im nahen Osten erklärte. Super interessant und ein netter Typ. Zwischen den grünen Bergen sahen wir als Tagesziel mit einer Fallhöhe von 771 Metern den dritthöchsten Wasserfall der Welt. Auf zwei Etagen fällt ein Fluss in die Tiefe und lässt nach den hunderten Metern freier Fall am Boden nur noch Sprühregen ankommen.

Einen Tag später machten wir uns auf nach Kuelap, einer präkolonialen Siedlung der indigenen Chachapoyas. Überall in Peru sind unzählige Ruinen verschiedenster Stämme zu besichtigen. Auch wenn die Inka das bekannteste Indianervolk waren, gibt es in vielen Fundorten und Museen deutlich mehr zu erfahren. Kuelap wurde auf einem Berggipfel über 3000 Meter Höhe erbaut. Von der am besten erhaltenen Siedlung Perus mit über 400 runden Wohngebäuden sind heute noch die Ruinen zu sehen. Vor 500 Jahren lebte dort ein Volk vom Handel zwischen Küste und Regenwald. Wie die inker errichteten viele Stämme ihre Siedlungen auf Bergücken so nah wie möglich an der Sonne.

In der Nähe von Chachapoyas wanderten wir den darauf folgenden Tag entlang einer großen Schlucht, bevor wir uns wieder mit dem Bus zur Küste begaben. Bei der Wanderung entlang der Kante hatten wir eine hervorragend schöne Aussicht. Mehrere Kondore begleiteten uns dabei über unseren Köpfen, ganz wie wir es uns in den Anden vorstellten.

Auf der Weiterfahrt in den Süden war unser nächster Halt die Wüstenstadt Trujillo an der Pazifikküste. Insgesamt erinnerte uns dort alles an die zuvor gesehenen Wüstenstädte. Ganz auffällig ist für uns, dass die Einheimischen Leute ihre Waren überall verkaufen. Ob im Bus, auf der Straße oder auf dem Markt, es wird überall gehandelt und gekauft. Es scheint oft als wäre jede Person in Südamerika selbstständig. Wir stürzen uns dabei gerne ins Getümmel und probierten so zuletzt beispielsweise rote Bananen. Überall machen wir leckere Entdeckungen.

Auch in der nähe von Trujullo besuchten wir Pyramiden und Städten indigener Völker. Die Stadt Trujillo war vor der Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert die größte Stadt des gesamten amerikanischen Kontinents. Mit 60.000 Einwohnern war es damals eine gigantische Stadt. Die Ausgrabungsstätte ließ die Größe vor erahnen.

Die fußballverrückten Peruaner sind beim Südamerika Cup, dem "Copa America" in diesem Sommer bis ins Finale gekommen. Über Wochen sahen wir die Leute überall die Spiele verfolgen. Ganz anders als bei uns sind die Peruaner während eines Spiels in der ganzen Stadt verteilt und schauen beim Friseur, Restaurant oder vor einem Elektroladen der Fernseher verkauft. Dies war ein ganz typisches Bild und wir fanden es einfach klasse. Wir sahen später das Finale in einem Hostel in dem leider Brasilien den Cup gewann.

Insgesamt wird der Norden Perus unterschätzt, denn nicht sehr viele Touristen verirren sich dort hin. Weil es im Norden sehr abwechslungsreich ist und man auf super herzliche Menschen trifft können wir die Gegend trotzdem empfehlen. Im Verlauf der weiteren Reise werden wir noch feststellen, dass es im Norden wahrscheinlich auch wegen der wenigen Touristen, mit Abstand am günstigsten ist.

Trotz dem Bewußtsein über die fatalen Auswirkungen einer Flugreise, dem sogenannten Flugscharm, haben wir unsere Rückflüge gebucht, um im August wieder in der Heimat zu sein. Wir freuen uns jetzt schon riesig auf die Rückkehr.

Sonntag, 23.06.2019

Die letzte Woche in Ecuador

Wir sind mittlerweile wieder zu zweit unterwegs. Nach dem Abflug von Jonas und Sonja setzten wir uns in einen Nachtbus, der uns durch die Anden in die weiter südlich gelegene Stadt Cuenca fuhr. Ganz überraschend unterscheidet sich die Stadt von den anderen in Ecuador. In Cuenca versammeln sich viele Senioren und wohlhabende Leute. Die Stadt ist sehr gepflegt, besitzt eine gut erhaltene Architektur und hat trotzdem den Mix aus südamerikanischen und kolonialen Stil. Wir sind gerne einfach durch die Gassen geschlendert, waren auf zahlreichen Märkten und haben uns Fahrräder geliehen.

Eine Stunde mit dem Bus von Cuenca entfernt befindet sich der Cajas Nationalpark. Der Park wurde uns landschaftlich so wie Schottland beschrieben. Nach unserer Tageswanderung weiß ich jetzt zumindest wie Schottland ausehen könnte. Mehrere hundert Seen, mit Gras bedeckte Hügel und schöne Berge sind Teil des Nationalparks. Wir suchten uns eine große Wanderroute heraus und machten uns auf eine lange Tageswanderung in einer Höhe zwischen 4000 und 4300 Meter. Der Vormittag begann mit leichten Anstiegen, um auf den höchsten Aussichtspunkt zu kommen mussten wir jedoch  mächtig klettern. Sophie hatte an den Abhängen etwas mit ihrer Höhenangst zu kämpfen. Bei dem rutschigen Abstieg landeten wir auch einige Male auf dem Hintern. Als uns im tieferen Grasland dann eine wild lebende Herde Lamas begegnete, waren die Strapazen vergessen. Die Tiere waren scheinbar schon Wanderer gewöhnt und demnach fast handzahm. Ansonsten sahen wir einige Vögel bis hin zu großen Berg-Greifvögeln. Ich schaute ständig nach den im Park lebenden Brillenbären, leider erfolglos.

Abends kamen wir wieder in der Stadt an, um einen weiteren Tag dort zu verbringen. In Quenca besuchten wir noch ein Museum über die indigenen Bevölkerungsgruppen und sahen die ersten Ruinen einer Inka Siedlung auf unserer Reise. Schon die gesamte Zeit drehte sich viel um die Ureinwohner des Kontinents und die spanische Kolonialzeit. Am interessantesten fanden wir, dass die Inka und alle ähnlichen Stämme ihr ganzes Leben nach der Natur ausgerichteten. Die Astronomie spielt dabei eine wichtige Rolle. Zudem gab es interessante Baukünste, landwirtschaftliche Methoden, Sitten, Bräuche und Naturheilverfahren.

Zu Ecuador werden uns die Märkte ganz besonders in Erinnerung bleiben. Jeder noch so kleine Bauer verkauft seine Ernte vor Ort und Handwerker bieten ihre Künste an. In jedem Dorf gibt es gleich mehrere Märkte. Jeden Tag findet diese statt und es ist immer voll. Nach einem Einkaufsladen sowie Supermarkt sucht man in vielen Städten vergebens. Uns hat es gefallen, immer vom Erzeuger frische Produkte zu bekommen. Zudem wachsen am Äquator fast alle Pflanzen das ganze Jahr über, sodass es in jedem Monat eine gute Ernte gibt. Nur aufs Handeln wollte sich fast niemand einlassen. Scheinbar nicht typisch dort.

Unsere nächste Station war Machala. Der Ort ist für Touristen ziemlich unbedeutend und taucht im Reiseführer nur mit minimaler Erwähnung auf. Um von Cuenca dort hin zu kommen fuhren wir mit dem Bus in wenigen Stunden von 3500 Meter Höhe auf Meeresspiegelniveau herunter. Wir sahen in der Stadt einen Kontainerhafen, einen schönen Platz und einen Park. Das ist alles für eine Stadt mit der Größe von Münster. Wir blieben jedoch fünf Tage und wohnten im Kinderzimmer einer gastfreundlichen ecuadorianischen Familie. Über Kontakte von Sophie aus ihrer Zeit bei Naturland in München ergab sich ein Besuch bei einer landwirtschaftlichen Kooperation in Ecuador. Am Montag besuchten wir das Büro des Bauernzusammenschlusses "Urocal". Wir erfuhren einiges über die Arbeit und Zertifizierung der rein biologisch arbeitenden Landwirte. Die Landbesitzer überwiegend kleiner Flächen haben sich zusammen organisiert, eine Gemeinschaft gegründet und sich als Bio-Bauern in der Region auf traditionelle und faire Arbeit geeinigt. In der Umgebung von Machala werden viele Bananen und Kakao angebaut, die für den Export bestimmt sind. Vor ein paar Jahrzehnten haben sich wenige globale Konzerne das fruchtbare Land angeeignet und exportieren von dort in die ganze Welt. Die mehrfach zertifizierte Kooperation Urocal ist mit dem organischen Anbau in einer kleinen Nische und exportiert Bananen nach Deutschland und Kakao nach Frankreich.
Der Ingenieur Carlos nahm sich zwei komplette Tage Zeit für uns. Er fuhr uns am ersten Tag zu einem Zusammenschluss von Bananen und Kakao Bauern, die beide Früchte zusammen mit anderen Baumarten als Mischkultur anbauen. Um zu den zertifizierten Anbauflächen hin zu kommen fuhren wir von Machala eine Stunde lang eine gerade Straße in eine Richtung. Rechts und links so weit das Auge reicht nur Bananenpflanzen. Ab und zu ein paar Wohnhäuser inmitten der Plantagen direkt an der Straße und Bananen Fincas mit Chiquita Containern. 40 weitere Minuten ging es auf einer sehr schlechten, unbefestigten Straße durch eine abwechslungsreiche Gegend zu dem kleinen Dorf "La Florida", in dem sich 26 Kleinbauern zusammen geschlossen haben. Am Tag des Besuchs war Ernte- und Verladetag. Einmal in der Woche werden die Bananen dort geerntet, gewaschen, aussortiert, überprüft und in Kisten gepackt. Wegen unserer europäischen Standards musste viel aussortiert werden. Das häufigste KO-Kriterium dafür ist die Größe der Banane. Es war super interessant durch die Plantagen zu laufen und alle Arbeitsschritte mitzubekommen. Einige Bauern stellen ihre Kinder am Tag der Ernte manchmal von der Schule frei, weil deren Hilfe dringend benötigt wird. Beim Aussortieren war es uns etwas peinlich, dass es hieß: "Diese Bananenstaude ist nicht gut genug für Europa". Wir essen wirklich nur 1A Ware, dass wird einem dort bewusst. Nach dem Wiegen und Verpacken wird an der Verladestation die Arbeit von unabhängigen Prüfern gegen geprüft. So gelangt keine Banane auch mit nur einem Fleck oder einer Delle aufs Schiff. Mit den ganzen Eindrücken und Informationen - alles auf Spanisch natürlich - waren wir Abends fertig und müde.
Auf dem Rückweg ging es mit dem Auto wieder durch die großen Monokulturen. Über uns kreiste mehr als ein Flugzeug um Chemie zu spritzen. Das Flugzeug flog mit sprühenden Düsen über die Felder, auf denen zur gleichen Zeit die Arbeiter standen. Es machte auch keine Pause über der Straße auf der wir fuhren und nicht über den Wohnhäusern vor denen Kinder mit kleinen Tieren spielten. Das ist wirklich keine Übertreibung sondern wahre Begebenheit. Wir sind sehr froh, dass bei den neuesten politischen Umfragen in Deutschland die Grünen die meisten Stimmen bekommen. Zumindest wir scheinen es so langsam begriffen zu haben, dass es im Leben um mehr als nur um Geld geht.



Am nächsten Tag ging es hauptsächlich um Kakao. In Ecuador werden zwei verschiedene Sorten angebaut, die unterschiedliche Farben haben. Die traditionelle Kakaofrucht (auch teurere, Sorte Nacional) ist reif, wenn sie gelb ist. Obwohl in dem Land und insbesondere in der Region überall Kakao angebaut wird, ist Schokolade nicht wirklich beliebt oder zu teuer. Auf dem heimischen Markt wird Kakaopulver meistens mit Wasser getrunken. Der Großteil der Bohnen wird jedoch exportiert und in anderen Ländern zu Schokolade weiterverarbeitet. Auch die Kakaobäume stehen bei dem biologischen Anbau oft in einer Agroforstwirtschaft mit vielen verschiedenen Bäumen auf einer Fläche. Gegen Insektenbefall, Pilze und als Dünger werden unterschiedliche Rezepturen gemischt und über Wochen fermentiert. Die Kleinbauern arbeiten dabei zusammen und haben somit im Dorf einen Verteilpunkt für die zusammen angesetzten Rezepturen (oftmals nur ein Zwiebel, Knoblauch,  Chili oder Zitronensaft Gemisch). Wir haben gestaunt, was alles zur Pilzbefreiung der Bäume genutzt werden kann und wie viele Komponenten eine Mixtur besitzt. Vor dem Aufspritzen eines Insektenmittels auf die Blätter der Bäume haben wir einen Schluck davon getrunken. Es war sehr beeindruckend was mit organischen Lösungen möglich ist. Wichtig zu sehen war aber auch, dass durch eine derartige Zusammenarbeit nicht nur die Umwelt im Anbauland geschont wird, sondern das die Bauern unabhängig von den internationalen Marktschwankungen fair bezahlt werden können.

Probieren verschiedener Kakaobohnen auf dem Feld

Samstag, 15.06.2019

Anden, Amazonas und zurück

In Quito angekommen, warteten wir gespannt und voller Vorfreude auf Jonas und Sonja. Unser Wiedersehen feierten wir mit selbstgemachten Arepas und Tomatensalsa kolumbischer Art. Leider hat die Fluggesellschaft das Gepäck in Paris falsch verladen, sodass die beiden zwei Tag später noch einmal zum Flughafen mussten, um es abzuholen.
Aber davon ließen wir uns nicht die Laune verderben. Unser super Hostel, welches in dem Viertel La Mariscal auch genannt "Gringolandia". Gringo steht für unbeliebte Amerikaner und Landia für Land, weil sich dort alle Ausländer angesiedelt haben. In Quito haben wir an unserem ersten Tag dann eine Free walking Tour gemacht und den modernen und den alten Stadtteil bewundert. Die zweithöchste Hauptstadt der Welt (nach La Paz), liegt fast auf dem Äquator. Bereits beim Treppensteigen geht einem die Luft aus. Oftmals treffen wir auf Touristen, die mit der Höhenkrankheit zu kämpfen haben. Viele nehmen dagegen Tabletten oder essen Kokablätter.


Nur zwei Busstunden entfernt liegt Otavalo. Das Städtchen besitzt den größten Handwerkermarkt Südamerikas sowie einen bekannten Tiermarkt. Hier wurden erstmal Lamapullis geshoppt. Anschließend besuchten wir einen Wasserfall. Sophie ist an diesem Tag leider krankheitsbedingt in Quito geblieben.

Von Quito aus fuhren wir dann an Tag 3 der Reise zum Cotopaxi Nationalpark, der für den zweithöchsten Vulkan Ecuadors bekannt ist. Auf der Fahrt durch den Park bekamen wir sogar einige Wildpferde zu sehen. Der Vulkan ist über 5800m hoch. Wir konnten ihn bis auf 4800m besteigen, danach ging uns die Luft aus. An diesem Tag musste Basti wegen Magendarm aussetzen. Wie ihr seht, musste in diesem Urlaub jeder einen Tag pausieren.


Als nächstes machten wir eine Wanderung zum Quilatoa Vulkankratersee. Diese Wanderung dauert 3 Tage und geht durch die Anden auf einer Höhe zwischen 3000 und 4000 Meter über dem Meeresspiegel. Wunderschöne Täler, Dörfer und Berge bestaunten wir auf unserem Weg. Es hat sich wirklich gelohnt. Ein Blick auf diesen atemberaubend schönen türkisblauen riesen See lässt die mühseligen Aufstiege der letzten Tage vergessen.


Danach ging es für uns zum kleinen Städtchen Banos, welches in den östlichen Anden gelegen ist. Es ist berühmt für seine vielen Wasserfälle und zahlreiche Sportaktivitäten. Dort sind wir mit dem Fahrrad 25 km bergab gefahren und konnten auf diesem Weg 7 verschiedene Wasserfälle bestaunen. Ausserdem, wie der Name schon sagt, ist dieser Ort berühmt für seine Bäder. In Banos gab es dann die Möglichkeit Thermalbäder zu besuchen. Basti und Jonas testeten eines Abends ihre körperlichen Grenzen in Bezug auf Hitze- und Kältetoleranz in dem extrem temperierten Becken. Banos ist ausserdem bekannt für eine Baumhaus Schaukel, um dort das heiß begehrte Instagrammfoto zu schiessen. Eine lange Fahrt nach Lago Agrio folgte darauf.


Alle Wege legten wir mit den Bussen zurück, welche in Ecuador wirklich preiswert sind. Eine Fahrt kostet pro Stunde ca. 1-2 Dollar. Ein Hightlight dieser Busfahrten sind die unvorhergesehenen Stops um Öl oder ein Rad zu wechseln. Manchmal kann es sogar vorkommen, dass der Fahrer den Weg nicht weiß und sich verfährt. Dann kann es schon mal sein dass er so eine enge unbefestigte Kurve an einem Abhang fahren muss, viel zu wenig ausholt und dann nicht um die Kurve kommt und letztendlich vorm Abhang stehen bleibt. Aber alles kein Problem. Manchmal bewundern wir die Leichtigkeit und Sorglosigkeit dieser Menschen.

Lago Agrio ist der Ausgangspunkt für Touren in große Nationalparks östlich der Anden. Wir machten uns dort bereit für 4 Tage im Cuyabeno Nationalpark mit drei Übernachtungen im Regenwald. Dieser Park gehört zum Amazonas Gebiet. Biologen zählten in dem Park die weltweit meisten Baumarten pro Hektar. Eine sehr hohe Biodiversität lässt sich hier bestaunen. Wir sahen unberührte Natur und wahnsinnig viele Tiere. Einheimische Dschungelbewohner die deutlich moderner sind als man es vermuten würde. Im Regenwald legten wir alle Wege mit dem Boot zurück, da die Flüsse die Straßen des Waldes sind. Derzeit ist Regenzeit im Dschungel, weshalb sehr viel Wasser so manche Trockenfläche zu Seen werden lässt. Wir unternehmen in diesen 4 Tagen Nacht- und Tageswanderungen. Zudem zeigen uns Einheimische wie traditionelles Yucca Brot gebacken wird. Während der Wanderungen sahen wir 8 von 10 dort heimischen Affenarten, riesige Taranteln, pinke Amazonasdelfine, unzählige Vögel, Schlangen, Kaimane, diverse Insekten usw. Das vermittelte Wissen über die Pflanzen, allerlei Symbiosen und tierisches Verhalten wird uns wohl für immer in Erinnerung bleiben. Überraschend war auch, dass in solch dichtem Dschungel zahlreiche indigene Stämme seit Jahrhunderten überleben. Teilweise lebt man dort primitiv, manchmal modern aber auch mit unverständlichen Traditionen.

Wenn wir den Dschungel beschreiben müssten dann so: Jeder isst jeden und jeder wird gefressen. Alles ist giftig und gefährlich. Kurz gesagt ist es wahnsinnig aufregend und wunderschön einzigartig zugleich.

Nach diesem Abenteuer genossen wir noch einen entspannten Tag in Quito mit sehr leckerem libanesischen Essen, weil die ecuadoriansche Küche doch nicht so viel zu bieten hat. Diese 14 Tage mit den beiden waren wirklich ein Hightlight unserer Reise 😊

Mittwoch, 29.05.2019

Über Stock und Stein nach Quito

Nach unserem längeren Aufenthalt in der Nähe von San Agustin fanden wir es wieder an der Zeit die Reise in Richtung Süden fortzusetzen. Am vergangenen Sonntag verließen wir die Farm und sind zunächst mit dem Bus nach Mocoa gefahren. Das ganze Gebiet im Südosten Kolumbiens ist dicht bewaldet und mit vielen Nationalparks unberührt. Die Aussichten von der Straße waren wunderschön. In Mocoa stiegen wir am Busterminal um. Das Örtchen machte einen sehr verschlafenen und noch einfacheren Eindruck als die Orte zuvor. Für die sehr wenig befahrenen Strecken ist es in dieser Gegend üblich auf der Ladeflächen eines Pick Up zu sitzen, was aber erst nach mehreren Stunden unbequem wird. Die weitere Strecke von Mocoa nach Pasto wird übersetzt "Trampolin des Todes" genannt. Wir wussten vorher von dem Namen. Das änderte jedoch nichts, da es keine Alternative Route gibt. Über sechs Stunden wurden wir ordentlich auf der Ladefläche durchgeschaukelt und fuhren Zentimeter genau an den Abhängen entlang. Eigentlich ging es die ganze Fahrt über an einer Steilen Kante entlang, sodass wir uns über kurze Streckenabschnitte mit Leitplanken freuten. Bis auf einen kleinen Schnupfen vom Fahrtwind haben wir es aber bestens überstanden.
Kritisch wurde es auf der engen Straße bei Gegenverkehr Hier schlängelt sich die Straße am Hang entlang
Am Montag spazierten wir in der Nähe von Pasto zu einer der schönsten Seen Kolumbiens, dem Laguna de la cocha.  Wir fanden eine sehr verschlafene aber super schöne Landschaft vor. Diese Gegend würde sich ideal als Drehort für einen Streifen von Rosamunde Pilcher eignen.

Weiter mit dem Bus sahen wir am selben Tag noch die beeindruckende Kirche Santuario de las Lajas bei Ipiales, unweit der Grenze zu Ecuador. Das Bauwerk wurde am erdenklich schwierigsten Platz, an einer steilen Felswand einer tiefen Schlucht, über einem reißenden Fluß erbaut. Es kam zu dem außergewöhnlichen Bauplatz, da dort im 18. Jahrhundert ein Einhemischer eine Erscheinung der Jungfrau gesehen haben will. Sehr aufwendig, aber beeindruckend.

Am nächsten Tag fuhren wir zur Grenze zwischen Kolumbien und Ecuador. Solche Grenzübergänge sind nicht besonders spektakulär, dauern aber sehr lange. Wir haben an dem Tag ein buntes und spektakuläres Kolumbien hinter uns gelassen. Mit Vorfreude, wenig Vorstellungen und ohne besondere Erwartungen geht's jetzt durch Ecuador.

Die Stadt Otovalo soll unser erster Halt werden. Bis über die Ländergrenzen bekannt ist die Stadt für den dort stattfindenden riesigen Handwerkermarkt. Nach kurzem stöbern verließen wir Otovalo mit einer Ukulele. Sophie hat vermutlich ein besseres Händchen für das Instrument, aber wir wollen beide in den nächsten Wochen die Saiten zupfen. Vielleicht reicht es bis Weihnachten zu einem Ständchen.
Heute sind wir um einen nahe gelegenen See gewandert und kamen bei über 3400 Meter Höhe ganz schön ins Pusten. Morgen werden wir mit dem Bus nach Quito über den Äquator fahren. Dann geht's für uns auf der Südhalbkugel weiter. In der Hauptstadt treffen wir morgen auf Jonas und Sonja. Die beiden kommen direkt aus Frankfurt für zwei Wochen nach Ecuador. Wir freuen uns schon die Reise gemeinsam weiter zu führen und das Land am Äquator zu entdecken.

Dienstag, 28.05.2019

Wir gehen erst wenn wir die Komposttoilette eingeweiht haben...

Als wir vor drei Wochen auf dem Hof von Steve ankamen und mit der Arbeit beginnen wollten, hieß es: Diese Woche wird auf jeden Fall unsere  Komposttoilette im Haus fertig! Das hätte  für uns bedeutet wir müssten nie mehr bei Regen oder nächtlicher Kälte die Toilette im Garten aufsuchen. Wie es die kolumbianische Gemütlichkeit und englische Verplantheit so will, konnten wir erst am letzten Arbeitstag die lang ersehnte Toilette benutzen. Nicht nur die chillige Einstellung zum Arbeiten sowie die ungenaue Planung eines solchen Projektes verzögerten die Fertigstellung. Auch die Beschaffung der natürlichen Baustoffe erschwerten zusätzlich den Prozess.  Dennoch konnten wir während unserer Zeit auf dem Hof mehrere Wände aus Lehm und Pferdemist sowie Türen und Schränke aus Bambus fertigstellen, worauf wir mächtig stolz sind.
Neben den Bauvorhaben hielten uns auch die fünf super lieben und geretteten Hunde mit ihrem Fliegen Problem auf Trab. Hundewäschen wurden Teil des Arbeitsalltages.


Die Komposttoilette Mit Steve bei der Arbeit Die Wände aus Lehm und Pferdemist Liz bei der Hundewäsche

Zu der Lage der Finca lässt sich sagen: Grüner geht's nicht.
Die Gegend um San Agustin ist atemberaubend grün und wild mit seinen steilen Berghängen und Wasserfällen, die in die Tiefe  schiessen. Ausserdem finden wir hier Permakultur auf höchstem Niveau vor. Ein Deutscher zeigt uns wies geht. Auf seinem riesen Grundstück hat er mehrere Vorzeige Gärten nach dem Permakultur Prinzip angelegt. Die Vielfalt und Masse an frischen Produkten, die er anbaut und erntet,  war wirklich beeindruckend.

Ausblick Ausblick 2 Permakulturfarm Rio Magdalena Auf dem Weg zur Permakultur Farm Permakultur pur

Die Zeit auf der Finca wird uns zudem immer daran erinnern wie genial und einfach man sich vegan ernähren kann. Zu allen drei Mahlzeiten wurden Vegane Speisen aufgetischt. Aber nicht nur irgendwelche langweiligen Rezepte, sondern wahnsinnig aufwendige Essen wurden gekocht. Man hätte meinen können, es gäbe was zu gewinnen. Kurz gesagt hatten wir Unmengen geiles Essen in diesen drei Wochen.
Neben dem Vegansein wurde auch drei Tage Heilfasten ausprobiert. Dieses Projekt scheiterte jedoch klanglos nach 24 Std, weil alle Lust und Hunger auf dieses super Essen verspürten.  Das Leben ist eben zu kurz für Fastenzeiten;D

A la mesa Schokoladenmanufaktur

Ich kam endlich dazu Schokolade selbst herzustellen, wohingegen Sebastian seine Vorliebe fürs Brotbacken entdeckte. So kam es dazu, dass ein Schweizer und er das Swermanbrot erfanden. Eine Vollkornbrot-Rolle gefüllt mit chutney!! Wahnsinnig lecker. So viel zeit wie wir in diesen drei Wochen in der Küche verbracht haben...kann man sich nicht vorstellen.

Wer nur 4 Stunden am Tag arbeitet, hat eben mehr Zeit für andere Dinge im Leben. Neben dem Kochen , spanisch lernen, Töpfern und lesen wurde viel Musik gemacht. Gerade  die Ukulele wurde zu unserem gemeinsamen Lieblingsinstrument. In Quito muss deshalb schnellstmöglich eine eigene Ukulele für den Rest der Reise her. Da führt kein Weg dran vorbei.

Unser kurzfristiges Zuhause


Den Rest der Zeit verbrachten wir mit Polittalks. So kurz vor der Europa Wahl war es unwahrscheinlich interessant die Sichtweisen anderer europäischer Staaten kennenzulernen um nicht nur das zu glauben was die Medien in Deutschland so schreiben.
Weterhin gab es jeden dritten Abend ein Lagerfeuer an dem geneinsam gesungen und Stockbrot gegrillt wurde.

Alle Volunteers Gemeinsame Wanderungen Tschüss San Agustin


Jetzt ist es aber an der Zeit die Finca zurückzulassen und das Gelernte mitzunehmen auf die Reise nach Ecuador. Es war wieder einmal eine WUNDERSCHÖNE workaway Erfahrung, die wir nicht mehr missen wollen würden.

Montag, 13.05.2019

Die Vielfalt Kolumbiens

Kolumbien ist ein beliebtes Reiseziel. Die Natur hat im Norden Südamerikas viel zu bieten und lockt auch deswegen viele Reisende. Viele ganzjährig grüne Landschaften, die Karibikküste, der Pazifik, Gebirgszüge wie die Anden, das Amazonasgebiet und sogar Wüsten finden sich dort. Insgesamt haben wir auf unserer Fahrt viele Höhenmeter bestritten. Es ist im ganzen Land sehr hügelig. Die Vegetation ist enorm und das ganze Jahr grün.  Ein Drittel von Kolumbien ist vom unwegsamen Amazonasgebiet bedeckt in das es für den Menschen fast kein Eintritt gibt.

Ausnahmen gibt es überall und auch die machen den Reiz einer Reise aus. Wir hörten von einer Wüste in Kolumbien, welche von grünen Bergen umgeben ist. Nachdem die Jungs wieder nach Deutschland geflogen waren machten wir uns auf den Weg in den Süden des Landes. Von Salento sind wir mit dem Bus zur Stadt Neiva gefahren. Dort übernachteten wir in einem Hostel und bereiteten uns auf ein Wochenende in der Wüste vor. Am nächsten Tag erreichten wir dann die Tatacoa Wüste im Herzen Kolumbiens. Auch wenn man es nicht vermutet hat auch so ein trockener Ort viele Fassetten und Einiges zu bieten. Wir trafen sogar auf Menschen die die dort ihr Leben lang wohnen und arbeiten. Ein paar Familien betreiben neben einem staatlichen Observatorium Unterkünfte und verkaufen Essen. Von einer ansässigen Familie haben wir uns ein Motorrad geliehen und auf zwei Rädern die Wüstenlandschaft erkundet. Wie auf den Bildern zu sehen ist umfasst die Tatacoa Wüste unterschiedliche Farben und Gesteinsformen. Die Kakteen fallen in der Trockenheit besonders auf. Aus einer natürlichen Wasserquelle wurde mitten im Nichts ein Pool erbaut. Nach einer schönen Wanderung haben wir uns dort abgekühlt. In der Wüste zu schwimmen war schon ein sehr verrücktes Gefühl.
Abends haben wir unser Abendessen traditionell auf einem Holzofen zubereitet. Nach einem schönen Sonnenuntergang haben wir die Sterne beobachtet und sind später in Hängematten eingeschlafen. Viele Menschen hat man dort nicht angetroffen. Am Morgen haben wir den Sonnenaufgang über den Bergen genossen. Insgesamt war die Wüste ein interessantes Naturerlebnis. 

Inmitten der Tatacoa Wüste Motorradtour in der Wüste Eine natürliche Quelle in trockener Umgebung Kochen mit Holz ist dort ganz normsl

Nach dem Wochenende sind wir mit einem Bus weiter in den Süden gefahren. In der Nähe des Dorfes San Agustin wartete das nächste Projekt auf uns. Wir haben zuvor mit Steve und Diana geschrieben und uns angekündigt für drei Wochen auf ihrer Permakultur Farm zu helfen. Eine Stunde Füßweg vom Dorf entfernt haben die beiden vor ein paar Jahren begonnen eine Farm aufzubauen. Mitten in den grünen Bergen gelegen, weit abseits der Straßen, fährt nicht einmal ein Taxi zum Haus. Vielleicht auch deshalb ist die Lage wunderschön, naturbelassen und ruhig. Bei der Ankunft halfen 12 Volunteers hauptsächlich aus Europa beim Bau eines Bambushauses mit. In einem eigene Haus für die Reisenden fühlten wir uns schon fast wie in einer kleinen Community. Wir lernten interessante Leute kennen und lernten voneinander. Vormittags arbeiten wir zusammen mit Naturbaustoffen wie Bambus, Holz, Lehm, Stroh und Pferdemist. Dreimal am Tag kochen wir zusammen und tauschen uns reichlich über unterschiedliche Ansichten aus. Der Nachmittag wird dann mit Wanderungen oder auf der Farm verbracht. Ein entspannter Ort für alle und eine gute Abwechslung zum Reisen.

Das Haus in dem wir wohnen Die Finca hat eine schöne Lage Arbeit mit Lehm Wenn das Gas leer ist reicht auch das Feuer Die Landschaft um San Agustin

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